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Auf der Walz

Neue Erfahrungen machen. Menschen, Kulturen, Techniken und Arbeitweisen offen begegnen. Abschied nehmen. Unterwegs sein. Rast machen. Wehmut spüren. Wach sein, neugierig bleiben. Lernen wollen, sich und seine Fähigkeiten weiterentwickeln. Dankbar zurückdenken. Intensiv den Moment leben. Sich auf morgen freuen. Auf der Walz sein.

Die Walz – eine Gratwanderung mit schönen Aussichten.

Früher gehörten sie zum Strassenbild, zum normalen Alltag. Mit breitkrempigem Schlapphut, Stenz und Bündel, in schwarzer Cordkluft, Schlaghose, Weste und Manchesterjacke, wanderten die jungen Zimmerleute auf der Walz durch die Länder. Ihre Heimat durften sie in einem Bannkreis von 50 Kilometern während zweier Jahre und genau einem Tag nicht betreten. Je nach Gegend waren sie sogar sechs Jahre und einen Tag unterwegs. Sinn und Zweck der Walz war und ist es, das Handwerk nach der Lehre weiter zu verfeinern, neue Techniken zu erlernen, Berufserfahrung zu sammeln. Als Geselle bei unterschiedlichsten Meistern, in fremden Regionen und Ländern, unter erschwerten Umständen. An diesem jahrhundertealten Brauch hat sich bis heute nichts geändert – ausser der Tatsache, dass sich in den letzten paar Jahrzehnten weniger Zimmerleute auf dieses Abenteuer einliessen als beispielsweise zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Unterwegs in der Fremde auf dem Weg zum Meister.

Im Holzbau wird noch heute grossen Wert auf die Tradition der Walz gelegt. So viel wie in keiner anderen Berufsgruppe innerhalb des Bauhandwerks, in welcher die Wanderjahre oder auch Tippelei ebenfalls verankert ist. Denn lange Zeit war die Walz bei den Handwerkern Voraussetzung, um Meister ihres Fachs zu werden. Früher kreuzten Tischler, Maurer, Dachdecker, Steinmetze, Holzbildhauer, Buchbinder, Schneider, Goldschmiede oder Instrumentenbauer die Wege der Zimmerleute. Heute sind weltweit noch rund 600 bis 800 Gesellen unterwegs. Davon stammt ein überragender Anteil aus dem Zimmereihandwerk. 10 Prozent von allen, die sich auf Walz befinden, sind Frauen; mehr als je zuvor.

Mit dem Walzen geht es wieder bergauf.

Erfahrungen im Beruf sammeln, gleichzeitig andere Kulturen und Menschen kennen lernen – diese Aussicht reizt die jungen Zimmerleute von heute. Trotz der Vorschrift, dass man nur zu Fuss, notfalls per Anhalter unterwegs sein darf. Selber fahren ist verboten, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel verpönt – ausser, um auf einen anderen Kontinent zu gelangen. Reizvoll scheint vielen auch die Gratwanderung zwischen Dazugehören und Ausgeschlossen sein. Schliesslich bewegt sich ein Wandergeselle auf Pfaden, die leicht auf Abwege führen können. So fern von daheim. Und selten mit vollem Portemonnaie. Ohne zu wissen, was übermorgen sein wird, wo es sein wird. Der Kitzel ist vorprogrammiert. Schon immer galt der Wanderbursche als Abenteurer an der Grenze zum Aussenseiter. Die Zimmerleute auf Walz haben durchaus ihre – wenn auch eigenen – Gesetzmässigkeiten und Regeln. Ehre und Kameradschaft sind ihnen immens wichtig. Und sie sind stolz auf ihren Berufsstand. So stolz, dass sie den Mut haben, sich auf ein entbehrungsreiches, dafür umso spannenderes Abenteuer einzulassen. Gestern. Heute. Morgen.

 

Links zum Thema: 

http://www.rechtschaffene-zimmerer.de/index2.htm

http://www.zimmerin.de/zihi/zuenftiges/walz/

http://www.emotion-film.de/seiten/3-2-3.html

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